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Offener Brief

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Ein Kriegsbericht

Über die große Seeschlacht zwischen Yaromo und Rhûn im Naliv und Larn des 9. Jahres der III. Ära, aus der Sicht eines Neutralen, erlebt und niedergeschrieben vom Kobold Mumpitz.

Der Horizont voller Segel

Der Naliv des 9. Jahres der III. Ära begann äußerst mild. Ein steter Wind treibt unsere Flotte aus den Unabhängigen Königreichen in Richtung Norden. Theosophia, die Hauptstadt von Theostelos, liegt schon einige Wochen hinter uns. Unsere Schiffe halten Kurs auf die Küste von Eoganachta, deren Hauptstadt wir auch einen friedlichen Besuch abstatten wollen.

Von Süden her folgt uns die Flotten Yaromos. Ihre gelben Segel bedeckten den Horizont hinter uns. Und vor uns ist der nördliche Horizont bedeckt mit den schwarzen Segeln der Flotten aus Rhûn. Beide Reiche stehen im Krieg miteinander.

Je weiter wir in diesem Monat nach Norden fahren, desto weiter weicht die rhûnsche Flotte zurück. Fast konnte man meinen, dieses große und mächtige Reich habe Angst vor unseren paar Schiffen. Doch nach ein paar Tagen ist die yaromesische Flotte wieder hinter uns in Sicht.

Jede dieser beiden Reichflotten hätte uns angreifen und vernichten können. Doch unsere Versenkung hätte einen Krieg gegen das Agressorreich hervorgerufen. Yaromo wollte aber keinen Krieg mit uns, seinem östlichen Nachbarn. Und Rhûn wollte nicht mit noch einem Reich im Krieg stehen. Zudem hat unser diplomatischer Dienst beide Reiche über unsere Neutralität in Kenntnis gesetzt.

Dann verharrt die Flotte aus Rhûn. Sie erwartet wohl den Angriff der Flotte aus Yaromo ab. Da ihre Segel den gesamten Horizont bedeckten und diesen in ein düsteres schwarz hüllten, haben wir natürlich die Küste von Eoganachta aus den Augen verloren. Also steuern wir unsere Schiffe mitten vor die rhûnsche Flotte. Dort hofften wir auf nautische Hilfe. Die Schiffe mit den schwarzen Segeln halten sich ja schon länger in den Gewässern vor Eoganachta auf.

Doch gerade sind wir dabei, die ersten Signale zu setzen, da ist der Horizont hinter uns erfüllt von gelben Segeln. Auch zu Back- und Steuerbord drängeln sich ihre Schiffe. Zwei Tage verharren beide Flotten in dieser Position. Einzelne Schiffe versuchen, sich in einen günstigeren Wind zu stellen. Es ist die Ruhe vor dem Sturm.

Diese Ruhe nutzen wir, indem wir mit beiden Seiten Handel treiben: die Hobbits verkaufen Bratwürstchen, die Zwerge gebrauchte Katapultsteine, die Elfen Postkarten nach Hause und wir Kobolde eine Mannschaftsaufstellung der jeweils anderen Seite. Doch dann ist es plötzlich vorbei mit der Ruhe. Befehle werden hüben wie drüben gebrüllt. Die ersten Zauberduelle erfolgen. Die Feinde werden mit den ersten Katapult-Salven eingedeckt. Schon kämpfen die Schiffe Planke an Planke


Die Zeit des Entscheidungskampfes ist gekommen

Im Larn dauert die Schlacht weiter an. Der Sturm der Schiffe aus Yaromo hat etliche Lücken in die rhûnsche Flotte gerissen. Ihre gelben Segel verdrängen die schwarzen Segel der Rhûner wie die Strahlen der Sonne zu Beginn des Tages die Dunkelheit der Nacht ablöst. Das Meer ist voll von zerborstenen Schiffen und schreienden Menschen. Wir können ein paar größere Wrackteile zusammenflicken, die dann wohl so manches Menschenleben gerettet haben. Ein bißchen muß man sich ja um diese kurzlebige Rasse kümmern.

Die Schiffe aus Yaromo treiben die rhûnschen Schiffe vor sich her. Und unsere Schiffe werden in ihrem Sog mitgezogen. In der zweiten Monatswoche erfolgt der zweite Schlag der yaromesischen Flotte. Zauberduelle werfen Blitze von Himmel. Katapultbeschuß versenkt hüben wie drüben unzählige Schiffe. Andere werden im Nahkampf von den yaromesischen Entermannschaften erobert. Doch der Angriff kommt zum stehen. Magische Wände werden errichtet.

Der Gegenschlag wird erwartet

Diese trügerische Ruhe dauert ebenfalls zwei Tage. Und da wir uns immer noch zwischen beiden Flotten befinden, lassen wir uns die Chance auf einen friedlichen Handel nicht entgehen: Die Hobbits verkaufen wieder Bratwürstchen, die weg gehen wie die warmen Semmeln, die es dazu gibt. Die Zwerge stoßen mit ihren gebrauchten, jetzt aber aerodynamisch günstiger geformten Katapultsteinen in eine Kriegs-Marktlücke. Die Elfen verkaufen neben Grußkarten auch Trauer-, Letzter-Wille- und Siegeskarten. Und auch wir Kobolde finden reißenden Absatz mit unseren überarbeiteten Mannschaftsaufstellung. Doch auch die schönste Waffenruhe hat ein Ende.

Die Flotte aus Rhûn holt zum Gegenschlag aus. Sie wendet dabei eine geniale Tacktik an: Ihr mächtigster Magier wird vor die Galeonsfigur des schnellsten Schiffes gebunden. So durchbricht die rhûnsche Flotte eine magische Wand nach der anderen. Wie ein dunkler Wirbelsturm der die Sonne verdeckt, fallen ihre Schiffe mit den schwarzen Segeln über die yaromesische Flotte mit den gelben Segeln her. Zauberduell wird mit Zauberduell, Katapultsalve mit Katabultsalve, Entermanöver mit Entermanöver beantwortet. Längst wird von beiden Seiten schon kein Pardon mehr gegeben. Beim Flaggschiff aus Yaromo kommt es schließlich zum Endkampf.

Die Adligen beider Reiche stehen im Gefecht miteinander. Die Blüte des Landes stirbt auf beiden Seiten. Doch am Ende hatten die Adligen aus Rhûn wieder mal mehr Glück: Feret al Dos und der Adel aus Yaromo sind tot. Und auch die Seeschlacht wird von Rhûn gewonnen.

Bis an die sumpfige Küste von Eoganachta schwimmen die Trümmerteile der beiden stolzen Flotten. Es sieht aus, als könnte man zu Fuß zum Festland wandern.

Die Schiffe der Unabhängigen Königreiche mit ihren Segeln in Orange und weiß sind die einzigen, die weiterhin nach Eoganachtas Küste schwimmen.

Und am letzten Sommerabend des Larn in 9. Jahr der III. Ära klingt ein Lied über die stille See:

„Es glänzt ein einsam Segel
im Abendsonnenschein.
Aus Yaromo ist’s nicht,
aus Rhûn kann’s auch nicht sein.“