Aenea

Aus erkenfara.com
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Im Osten des Landes Djabalar liegt ein großer, tiefer Wald. In der Dunkelheit, im Herzen dieses Waldes wurde Aenea geboren, in jenem Teil, den noch kein Mensch je betreten hat. Hier lebte ein, von seinen Verwandten vergessener, Stamm von Wildelfen. Magie und Frieden beherrschten Aeneas Leben und sie hatte nichts gelernt, als mit dem Herzen des Waldes im Einklang zu leben.

Sie liebte es, in den Kronen der Bäume zu wandeln, oder den Liedern der Einhörner zu lauschen. Doch eines Tages ging der Frieden, der in ihrem Herzen wohnte, als sie den Gesängen zweier Vögel lauschte. Wohlklingend war ihre Rede und verführerisch, denn sie erzählten ihr über die Außenwelt.

Seit dieser Zeit plagte Aenea die Neugier: Was waren Menschen? Denn über jene Wesen hatten sich die Vögel am meisten unterhalten. So wuchs die Unruhe in der jungen Wildelfe, wurde nahezu unerträglich, bis sie schließlich ihrem inneren Drängen nachgab.

So packte Aenea ihre Sachen und zog von Zuhause fort.

Wie erstaunt war sie, als sie das erste Mal die weiten Ebenen von Djabalar erblickte, sie ihren Blick schweifen ließ, über die hohen Gebirgskämme und den weiten Himmel. Bilder, welche sie nur von den hohen Baumkronen aus bewundert hatte.

Sie fand breite Wege und Häuser aus Stein, welche auf dem Boden klebten. Ihre Neugier war groß, doch Vorsicht ließ sie um all dies einen großen Bogen machen.

Eines nachts jedoch lockte ein kleines Feuer sie an. Leise, schattengleich, näherte sie sich und in der Deckung eines kleinen Gebüsches sah sie zum ersten Mal einen Menschen. Die Beschreibung der Vögel passte haargenau. Der Mann saß an seinem Feuer und Aenea wurde übel als sie sah, was ihn beschäftigte: Welch Tier konnte solche Wunden reißen? Das Fleisch des Mannes war am Oberschenkel fast bis auf den Knochen gespalten! Trotz des hohen Blutverlustes der ihn schwächte, versuchte er die Wunde zu nähen. Aenea war sehr erstaunt über diese primitive Art eine Wunde zu nähen. Offensichtlich war der Mann zu schwach, um sich selbst durch Magie zu helfen.

Während er arbeitete, musterte sie ihn näher: Etwas merkwürdig sah er schon aus, mit seinen runden Ohren!

Plötzlich schrie der Mann auf und Aenea sah voller Entsetzen, wie er eine glühende Klinge auf die Wunde presste. Das war zuviel für Aenea! Die Wildelfe sprang aus ihrem Versteck und eilte dem Mann zur Hilfe. Als der Mann sie kommen sah, versuchte er mit aller Kraft die er noch hatte, sich auf einen Angriff vorzubereiten. Aenea erstarrte, denn noch nie hatte sie offene Feindseligkeit kennengelernt. "Ich will dir doch nur helfen," sagte sie verzweifelt, doch er konnte sie nicht verstehen. Gepresst sagte er etwas und das Messer entglitt seinen kraftlos gewordenen Fingern, als er ohnmächtig wurde. Aenea eilte zu ihm, untersuchte die Wunde und nutzte ihre Magie, um ihn zu heilen. Das Fleisch schloss sich, so dass nicht einmal eine Narbe zurück blieb.

Während der Mann schlief, wachte Aenea über ihn. Nun nahm sie sich die Zeit, den Menschen näher zu betrachten. Er war groß, größer als sie und viel kräftiger gebaut, als ihre Stammesgenossen. Rabenschwarzes Haar klebte feucht in seinem Gesicht, was jedoch nichts ungewöhnliches für sie war, denn sie selbst hatte dunkelbraunes Haar. Doch die Elfen des großen Waldes hatten allesamt helle bis weiße Haut, die des Menschen war von einem kräftigen Braun. Auch waren seine Gesichtszüge viel gröber, als sie es gewohnt war.

So lernte Aenea Taschunko-Sapa kennen. Sie schlossen Freunschaft, aus der mit der Zeit eine kostbare, immerwährende Liebe entstand. Aenea lernte die Sprache des Landes, lernte andere Menschen kennen, doch sie sah auch viel Betrug, Hass, Krieg und Tod. All dies erschreckte sie so sehr, dass sie kopflos in ihren geliebten Wald floh.

Taschunko wagte, von Liebe und Sehnsucht getrieben, das Unvorstellbare; er drang weiter in den Wald hinein, als je ein Mensch zuvor. Die Liebe zu Aenea gab ihm nicht nur den Mut, sondern auch starke Beschützer - die Einhörner des Waldes.

So fand Taschunko seine Aenea im Herzen des Waldes wieder, doch sie empfand nun Angst und Scheu vor den Menschen.

Die Liebe zu Taschunko, die Aenea empfand, vertrieb ihre Ängste und so ließ sie sich dazu überreden, wieder zurück in die Welt der Menschen zu kehren.

Einige Zeit lebten beide glücklich in Djabalar, bis Aenea beinahe in einem räuberischen Überfall getötet wurde. Sie ging nur knapp am Tode vorbei. So knapp, dass sich Taschunko in diesen Tagen der Angst schwor, Aenea in die Kunst des Kampfes einzuweisen. Eine wirklich schwere Aufgabe, denn sie verabscheute den Kampf.

Taschunko, seines Zeichens Krieger, versuchte nun alsbald, seinen Schwur in die Tat umzusetzen. Dabei traf er auf erbitterten Widerstand durch Aenea, bis er Dinge sagte, die sie beide verletzten: "Du bist unsterblich, ich bin es nicht! Irgendwann werde ich dich nicht mehr beschützen können ..."

So lernte Aenea, die Wildelfe, die Kunst des Kampfes und als Waffe wählte sie zwei Schwerter. Es behagte ihr jedoch nicht und es graute ihr vor dem Tag, an dem sie ihre ersten Gegner töten würde. Dieser Tag kam rasch, viel rascher als sie es sich gewünscht hatte! Denn in den Oger-Kriegen trug es sich zu, dass Taschunko von einem gegnerischen Hieb erschlagen wurde. Aeneas Geist zerbrach, denn sie gab sich die Schuld an ihres Gefährten Tod. Ihre Schwerter waren es, die, zu langsam geführt, den tödlichen Hieb nicht mehr abfangen konnten. Dieser Oger war der erste Gegner, der durch ihre Hand fiel, und es sollten in diesem Krieg noch viele folgen, die unter ihren Schwertern den Tod fanden. Als Aenea aus ihrer Betäubung erwachte und es ihr bewusst wurde, was sie angerichtet hatte, zerbrach ihr fast das Herz und sie kehrte, ihren toten Gefährten auf sein Pferd gebunden, wieder zurück in ihre Wälder. Dort, im Herzen des Waldes, begrub sie Taschunko-Sapa. Die Trauer, die sie umgab, tötete sie beinahe; doch diesen letzten Schritt wagte sie nie.

Den ersehnten Frieden fand Aenea jedoch in den Wäldern der Wildelfen nicht. Das Vergessen wollte sich nicht einstellen. Eine sehr alte Wildelfe riet Aenea, dass sie nicht vor ihren Ängsten fliehen sollte, sondern sich ihnen stellen müsse. Diese Worte gruben sich tief in Aeneas Geist. Weit dahinter versteckte sie die Gedanken an die Trauer um Taschunko. So zog Aenea ein drittes Mal in die Außenwelt - in die Welt der Menschen ...