Der Bergkristall (1991)
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Ich grüße Dich Harmonische Quelle der Seelen Klarer Kristall Aus dem das neue Reich Der Steinfreunde gewonnen wird bergkristall bei deinem anblick verdierret sich meine augen in der gläsernen kühle mir verjüngt und erfrieren bleibt die gegenwart stehen wie in einem spiegeltsee im morgelicht taucht die erinnerung auf leben vergißt träume der vergangenheit zart wie ein hauch an kaltem glas zerbrechlich wie splitternder reif der erste schnee eine sternschnaar so leicht wie die ersten jahre blaue eiskappen von der sonne geschliffen wie erste schlittentänzer reise in die weiße atemlosigkeit die dünne knisternde eisdecke über der kindlichen neuwerde das spiel mit den grünen glasperlen blicke in das blickkristall das die zeit verschwand bergkristall in deinem herzen brennt nicht das feuer des diamanten wie das mondlicht in wolkenloser nacht zieht das reine licht durch dich hindurch selbstlos bergkristall deine kühle und deine klarheit möchte ich auf meine schwärze pressen in dunklen stunden dein ruhiges und angenehmes licht malt lebende gemälde auf meine angst bergkristall licht und schatten zeichnen im wechselspiel zarte kompositionen aus formen und flächen winkeln und kanten kristalline klangfläche die säule stamm eines lichtraumes turmförster im sternenbaum gletschersäume im morgengraun vergänglich und sternenzeit das dreieck ein dreiklang der kräfte schlußfolgerung bewegung und drang das viereck der ehrliche das quadrat sich festlegend und begrenzend vier blätter eines windroses kreuzigung das sechseck ein schwebenderstand im kreis aufgehängt an sechs punkten bienendurch lichtgefüllt die kanten eine gratwanderung trennte und verbindung die winkel ein gleichmaß vorhersagbarkeit und zuverlässigkeit bergkristall an deiner klaren form zerreißet die schleier meiner schwermut meiner ungewißheit meiner verwirrung meiner verkleidung bergkristall auf den matt schimmernden flächen schlanker quarzkörper auf den eisgipfeln ruht die stille die zeit bleibt stehen es ist die ruhe der bergwelt der schwirigende kristallhimmel das flirrende gläsernes meer wie die harte des winters wären meine augen in der lage die harte lichtgestalt zu durchdringen eine atemberaubende welt würde aus dem stummen winterall auftauchen aus dem weichen mondlicht Strukturen sich frost Strukturen ab die augen sinken tiefer und tiefer durchdringen kristallgitter ungeahnter präzision milliarden kleiner nie gesehener welten ich beginne noch tiefer ein vorbei an tanzenden welten musik namenloser die reise führt näher zum kern eine stumme und ohrenbetäubende kraft endlose reise meiner phantasie in die teilbarkeit welt der bewegung und kräfte unruhe im kristall bergkristall in deine ruhe möchte ich eintauchen um dort die unruhe meiner sehnsucht zu finden von deiner kristallglasigkeit möchte ich mich bewegen lassen in deine stille hinein möchte ich tanzen und singen lieber über fremde welten bergkristall durchblick und einblick fenster in unsichtbare welten dein lichtspreng ist stürm aus reinem quarz durchsichtig bis auf den grund der welt kieselgraue zu licht geronnen ein tropfstein unserer welt ist aus deinem lichten stoff unsichtbar und für die augen keine falle unbewußter übergang und überschreitung durchtraum tritt nicht in erscheinung und ist doch harte wirklichkeit und lädt die welt zusammen was die sinne begreifen und ins auge springt ist nur der schnee auf dem gebirge schaufenster dunkler rätsel bergkristall lehre meine augen mauern und wände zu durchdringen wenn sie mich daran hindern fenster zu brechen um einen blick über meine grenzen zu werfen lehre mich die hälfte wahrzunehmen die ich noch nicht begreifen kann bewahre mich davor jenen schwärzest vor nachzuahmen der im blinden eifer am fels zerschellt der verhüllt in der unsichtbarkeit bergkristall vielleicht ich wünsche es mir vielleicht bist du der stein der weisen
