Der Leidensweg des Kabonar im Reiche Northeim (1991)

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1. Rekrutierung oder die Über-Zeugungskraft des Narayana

Die Sonne stand hoch am Himmel. Senkrechte Schatten kündeten von der Mittagszeit. Ein laues Lüftchen wehte und milderte die Hitze, die nahe dem Steingipfel gerade noch erträglich war. Ein Mann, eingehüllt in einen kuttenartigen Sack, nach oben mit einer Kapuze begrenzt, kam zwischen Steinblöcken hervor und beobachtete mißtrauisch die Umgebung. Ein glitzernd weckelte sein Interesse — ein blitzblank polierter Schild lag auf dem Weg. Narayana sah den Schild kurz an. „So ein Bild hätte ich auch weggeworfen“, vor sich hin murmelnd ging er weiter.

Wenig später saß er auf einem Steinquader und bemühte sich, Schatten aus seinem Schwert zu schärfen. „Ich hätte den letzten Wandersmann nicht so stark betrieben sollen“, murmelte Narayana. „Der Held hat Spuren hinterlassen.“ Sein mit gestärkter Blicke umfaßte die Gipfel und Steine in der Umgebung, über die er herrschte, und er spürte, daß es gut war. Schwer trug er an der Verantwortung und es gab nur eine Möglichkeit, die anstehenden Arbeiten und Aufgaben in einer erträglichen Weise zu bewältigen: diese Plagerei zu delegieren.

Unweit mühte sich ein Fußgänger, die unnützliche Gegend möglichst schnell hinter sich zu lassen. Unbeachtet und ohne Argwohn stiefelte er durch die Ramschberg-Berge, von Turr-Orxam und dem Schicksal verlassen, denn eine Stimme erscholl: „Fremder, wohin des Weges? Setze dich einen Augenblick zu mir!“ Wo denn, wer denn, warum denn? Über die auf dem Steinquader hocke ich.

Eine kurze Anstrengung später stieg der Fremde auf den Steinquader und sah sich die seltsame Gestalt an: „Wer bist Du?“ „Ich bin Narayana, Bergseher und unbeschränkter Gebieter über Nordheim“, rief ja... „Narayana“ stellte Narayana richtig. „Mann und Frau nennt mich Zahonar, und ich bin auch nicht beschränkt.“ Narayana hatte zwischenzeitlich seine menschenfreundliche Arbeit beendet und reinigte die Schwertklinge mit einem Zeugen. „Wo hast Du denn den her?“ erkundigte sich Zahonar mißtrauisch. „Ach, der wollte mich überfallen, da habe ich Ihn ein bißchen mitgenommen. Willst Du in meine Armee eintreten und Herz einer Saat werden?“ Zahonar sah sich mißtrauisch um. Immer noch das gleiche Bild: Berge und Steine. „Hast Du das öfters? Verträgst Du die Sonne nicht?“, erkundigte er sich freundlich. „Nein, bisher habe ich diese Vorenthaltung erst einem angeboten. Morituri te salutant. Mein Reich hat eine Größe erreicht, bei der ich es alleine nicht mehr führen kann.“ Zahonar überlegte kurz. „Wie lange habe ich Bedenkzeit?“ „Keine Bedenkzeit!“ Narayana unterstützte dies mit ein paar bezeichnenden Bewegungen des Schwertes. „Na ja, dann...“, Narayana erinnerte diesen.

2. Die Vorbereitung der Gedanken Narayanas

Das Rauschen des Windes wurde vom Magenknurren Narayana’s übertönt, der sich weiter das Betrachten Northeims zur Aufgabe gemacht hatte. „Hier werde ich eine Statue aufstellen, damit eine solche malerische und geschichtlich wertvolle Gegend wie von meinem Ruhm und meinen Taten kündet.“ Zahonar überlegte kurz. „Dann wäre Holz das angebrachte Material.“ „Warum?“ „Holz arbeitet!“

Narayana dachte kurz über den Sinn der Worte nach. Tiefsehend erhob er sich. „Nicht mal ein Mittagschläfchen gönnst du mir, dabei hätte ich die Ruhe dringend nötig. Immerhin habe ich heute nach dem Frühstück bereits zwei Besprechungsgespräche geführt.“ Zahonar blickte sich um. „Wo ist denn der Zweite?“ „Wir konnten uns bei den Lohnverhandlungen nicht einigen.“ „Ach ja, was zahlst du denn?“ „Willst du wissen, was ich dem ersten Bewerber geantwortet habe“, brummelte Narayana, liebevoll sein Schwert zückend. „Äh, nein… Wann gehen wir zu den Truppen?“ „Truppen?“ „Na, zu den Truppen deines Reiches.“ Narayana blickte auf Zahonar. „Mit Truppen bräuchte ich doch keinen, der mich unterstützt. Du wirst diese Truppen requirieren und ausbilden. Dir dann eine Stadt suchen und diese für mich einnehmen.“ „Edler und großzügiger Narayana, deine Gunst ehrt mich.“ „Nicht wahr?“, freute sich Narayana und schaute, wie sich die Sonne in der Schwertklinge spiegelte. „Doch du irrst dich. Meine sein: Helfer der Grün- bedrockte und der Wager, Jünger der Gläubigen Fohrenburgs sind mit dir!“ „Und mit deinem Geiste…“, murmelte Zahonar.

Narayana dehnte sich zu seinem ganzen Durchmesser aus und griff hinter sich. „Zahonar, von heute an hast du mich zu ehren und zu schützen, bis daß der Tod uns scheidet!“ „Das ist die falsche Formel, fürchte ich“, verbesserte Zahonar. „Trotz allem – mir gefällt sie.“ „Wer ist Sie?“ „Sie ist – aber was geht dich das an! Hier also nimm die Tafeln, auf denen meine Weisungen geritzt stehen.“ Zahonar wankte leicht, als er die Last der 10 Granitplatten spürte. „Hätte man nicht auch ein anderes Material nehmen können?“ Narayana sah nachdenklich aus. „Die Bedeutung dieser Worte hätte Holz glatt zerdrückt.“

Zahonar legte die Platten ab, besah sich beide Seiten sorgfältig und wandte sich an Narayana. „Erhabener Narayana, mit mir die Wahrheit dieser zu verstehen.“ Narayana schien schockiert. „Kannst du nicht lesen?“ „Doch.“ „Vielleicht hilft es, wenn du die Tafel herumdrehst?“, bemerkte Narayana zunehmend. „Ach ja, jetzt geht es besser… 3 Hammel, 5 Ochsen, 10 Schildkröten, Gold, das alles in die Armee?“ Narayana wurde blaß und zitterte. „Mein Einkaufszettel, den habe ich glatt vergessen. Und jetzt ist Wochenende.“ „Ich kann was, so eine Frau habe ich auch daheim“, nickte Zahonar verständnisvoll.

Narayana warf sich in die Brust. „So müssen wir jetzt doch die nächste Stadt einnehmen, ich kann mich ohne die Vorräte zuhause nicht sehen lassen!“

3. Gedanken über Krieg und Frieden

Narayana überquerte den Berggipfel und kam langsam zu einer Ebene, die mit dem Begriff Steinwüste nur unzureichend beschrieben werden konnte. „Geht’s noch“, erkundigte Narayana fürsorglich bei Zahonar, der unter dem Gewicht von 10 Granitplatten hinter ihm herhechelte. „Gestern ging’s noch, aber mit den Platten…“ „Ich helfe dich“, meinte Narayana und nahm eine Steinplatte. „Halts schön schwer, so ein Plättchen.“

So näherte sich der Zug einem Haus. Je näher sie kamen, desto vorsichtiger wurde Narayana. Immer wieder horchte, gurgte er und hieß zur Stille. „Narayana!“, „Sei still, wir sind in Feindesland!“ „Ich denke, wir sind in Northeim?“ wunderte sich Zahonar und legte die Platten ab. „Hm, schon, aber hier wohne ich und vielleicht ist meine Frau daheim. Und ohne die Erlaubnis habe ich einen sehr schlechten Stand bei einer Diskussion.“ Vorsichtig durch ein Fenster spähend, beruhigte sich Narayana. „Die Luft ist rein, niemand da.“

Im Haus angekommen, ließ sich Narayana auf einer Bank nieder, die sich unter ihm seiner herrschaftlichen Gestalt beugte. „Na gut, dann setze ich mich auf den Stuhl!“ Vorsichtig den Stuhl testend, ließ er sich nieder. Als ein Knirschen nicht zu vernehmen war, atmete er auf. „Alles selbst gezimmert“, meinte Narayana stolz. „Und so grundsolide gefertigt“, bewunderte Zahonar die Trümmer der Bank. Getroffen von einem Blick, aus dem eine ganze Rehe Thur-Orxams sprach, verstummte er wieder.

„Tja, Zahonar, hier nun meine Überlegungen: Northeim ist zu klein, um die Ausmaße meiner Berühmtheit auch nur andeuten zu können. Wir müssen es daher vergrößern und uns neuen Lebensraum im Norden, Westen, Süden und Osten suchen. Nur so könnten wir uns auf den Stand begeben, der mir gebührt.“ „Narayana, willst du die steinigen Ebenen und abschüssigen Täler mit Krieg überziehen? Denkst du auch an die Eltern, deren Söhne im Krieg geopfert werden – wenn nicht sogar getötet? Berücksichtige die Krankheiten und die Seuchen, die sich ausbreiten können!“ „Gut“, nickte Narayana, „dann werde ich ein Stückchen weiter im Hinterland, damit mir an der Front nichts passiert.“ Zahonar schien ratlos. „Wie willst du dein Volk mehren, wenn das dafür notwendige Erbgut auf den Schlachtfeldern zerstückelt wird?“ Narayana bekam leuchtende Augen. „Mir wurde da schon etwas erzählt. Tröstete der Würfel und Wiesen – könntet doch mit, oder?“

Narayana stand auf und stöberte in einer Ecke herum. Zum Vorschein kam ein Weinfass, aus dem es herausstaubte, und ein kleiner Käfig mit einem fossilierten Tierchen darin. Zahonar schien begeistert. „Militäresel?“ Narayana seufzte. „Nein, sondern der Wächter des Hauses. Es ist ein northeimischer Zwergdrachenhamster. Sehr gefährlich, das Vieh. Erst kürzlich hat er ein komplettes Schwein vernichtet, als ich nicht aufpaßte.“ „Wie hat er es denn besiegen können?“ Zahonar sah sehr bedenklich aus. „Was heißt besiegen, der Zwergdrachenhamster hat es von meinem Teller geholt, nachdem es gebraten war. Deswegen mußte ich ja einkaufen gehen, damit das Tierchen wieder etwas zwischen die Beißerchen bekommt.“ Zahonar nickte verstehend. „Deswegen also die Ausweitung des Reiches!“ „Nicht nur, aber auch.“

4. Die Reichsleitung trifft sich

Einige Zeit war vergangen, als es an der Tür klopfte. Hinter dem Schemel ließ sich Narayana vernehmen. „Schau nach, wer es ist!“ Zahonar öffnete die Tür und sah sich einer Gestalt gegenüber, grau gewandet, mit bleichem Gesicht. Eine Kapuze zierte ihr Haupt. „Betteln und Hausieren verboten, kannst du nicht lesen!“ Damit schloß Zahonar die Tür wieder. Sekunden später schob sich jemand, man glaubt es kaum. „Narayana, du kannst wieder herauskommen, es war nicht deine Frau.“ Wieder klopfte es. „Der ist aber hartnäckig“, murmelte sich Zahonar. Diesmal öffnete Narayana und sah sich einer Gestalt gegenüber, grau gewandet und mit rotem Gesicht. „Tritt herein, du kommst zu spät!“ Die Gestalt betrat den Raum und sah sich mißtrauisch um. „Wo ist der Pförtner, damit ich ihn kürzen kann?“ Narayana spreizte das Wort. „Darfs ich vorstellen: Helveyr, Verstandeswesen Northeims. Dort drüben ist Zahonar, Sucher Northeims.“ Helveyr wurde wieder bleich. „Sucher????“ Zahonar schaute sich Helveyr von oben bis unten an. „Kannst du mit dem Spießchen an deiner Seite denn umgehen, ohne dich zu verletzen?“, fragte er Helveyr. Dieser färbte sein Angesicht wieder rot. „Interessant, so ein Farbspiel. Kennst du noch andere Farben?“ Notgierig blickte ihn Zahonar an. Das Rot wurde dunkler. „Haltet mich, oder ich bringe dieses Wicht um!“, platzte Helveyr heraus und versuchte sein Schwert zu ziehen. „Wirst du wohl aufhören, wie Blödel!“, beschwichtigte Narayana. „Ruhe jetzt!“ Als sich das noch etwas ausmachen würde, betrachtete Helveyr mit einem Blick auf die ehemalige Bank. Alsdann holte er Feuerstein und ein Hölzchen aus seiner Kutte. Nach dem Aufflammen des Hölzchens schenkte er sichtlich froh. Zahonar musterte ihn interessiert. „Praktisch, so eine kleine Taschenfriedenpfeife.“

Bevor Helveyr antworten konnte, klopfte es abermals. Diesmal öffnete Narayana selber. Eine ebenfalls eingehüllte Gestalt lehnte an der Tür und fiel beim Öffnen mit dieser ins Haus. „Wer wird denn gleich mit der Tür ins Haus fallen“, brummte Narayana. „Alles von Narayana selbst gezimmert“, seufzte Helveyr. „Und so grundsolide gefertigt“, bewunderte Zahonar die Trümmer der Tür. Getroffen von einem Blick, aus dem eine ganze Rehe Thur-Orxams sprach, verstummte er wieder.

Zu den Anwesenden gewandt, stellte Narayana vor: „Der Wäger, Burgheer Northeims.“ Schütteres Entsetzen kennzeichnete die Mienen von Zahonar und Helveyr. Auch der Wäger hatte ein Hölzchen am Qualmen, eine dickbauchige, tönerne Wasserpfeife in der Hand. „Dass kaäftig“, Helveyr nickte beistandweiser. Zahonar hat Käthe am Schlaganfall. Narayana strahlte. „Da wir nun versammelt sind, halten wir Kriegsrat.“ „Aber“, wandte Helveyr ein, „der Wäger schläft ja schon.“ „Macht nichts, dann ist er auch nicht dagegen, wenn wir etwas beschließen.“

Narayana baute sich vor den Unterhäuptlingen Northeims auf.

„Nach detaillierter Auswertung der mit durch die Götter gegebenen relevanten quantitativen Informationen und Restriktionen habe ich qualitativ komplexe Alternativen realisiert und peripherst auf der Basis multifunktionaler brain-stormings auf die Zieloptimierungswahrscheinlichkeit durchleuchtet. Als finaler Schluß präsentierte ich unter Berücksichtigung eventuell auftretender desillusionierender Divergenzen in temporaler, intensiver und dimensionaler Hinsicht… Könnt ihr mir folgen?“ Helveyr nickte begeistert. „Nein!“ Zahonar suchte auf seine Granitplatten nach einer Erklärung des soeben Gehörten.

Narayana setzte sich vor den Unterhäuptlingen Northeims nieder.

„Hm. Also ich habe geschaut, wie wir am besten meine Bedeutung durch die Vergrößerung Northeims zeigen könnten. Im Osten ist unser Ziel Fan, als Grenze hierbei habe ich den Südrand vorgesehen. Im Westen sollten wir bis zur Faisch-Ros, im Norden bis zur Faish Airne kommen. Als Zeit habe ich etwa 24 Monate eingeplant, dann sollte dieses Gebiet uns gehören und abgesichert sein.“ Helveyr strahlte. „Und dann gehen wir in den Süden, wo es schön warm ist?“ Narayana nickte ab. „Ach, lassen wir doch das Palaver!“

5. Der Versuch, ein Heer aufzustellen

Zahonar schaute auf seine Befehlsgranitplatten. „Es waren 4 Kriegerheere, 10 Reiterheere, Flotten und Magier zu beschaffen. Alsbald plagte in der Zwischenzeit seine Gestaltung. Der Wager schlief noch. Narayana klebte einsitz an einer neuen Bank und richtete die Türe wieder her.

„Ich gehe dann mal die Truppen ausheben, wo finde ich denn die Hauptstadt, großer Narayana?“ „Wenn du um den Berg gehst, siehst du sie dort. Die liegen, Zahonar.“ „Ist gut. Äh, um welchen der vielen Berge?“ „Wenn du aus dem Haus kommst links, dann die Geröllhalde hinunter und kurz vor der Steinlawine rechts.“

Ausgerüstet mit einem ganzen Arsenal guter Argumente trat Zahonar vor die Türe, wandte sich nach links und erreichte schließlich unerwarteter Weise sein Ziel. Eine Stadt lag in der Sonne, prachtvoll anzusehen, fast ganz aus Stein gefertigt und durch eine massive Mauer gut geschützt. Vor dem Tor eine Zugbrücke über einen Graben. Zwei massive Türme schützten das Stadttor. Zahonar klopfte ans Tor. Ein grimmiges Soldat schaute über den Wall nach unten. „Mittagspause, mein Guter. Von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr halten wir Siesta. Du bist neu hier in der Gegend?“ „Woran siehst du denn das so schnell“, erkundigte sich Zahonar. „Nun, es wird kein Ortskundiger die Stadt durch das Tor betreten. Dort hinten, den Brücken endet die Mauer, laufe einfach dort herum, dann brauche ich nicht aufzumachen.“ „Aber wofür ist dann die Mauer?“ „So unterscheiden wir Freund und Feind – und außerdem ist eine kurze hügelige als eine lange Mauer.“

Die Hauptstadt lag in der Sonne wie ausgestorben. An jeder Straßenecke brachte Zahonar Aufrufe an, sich zu den Waffen zu melden und eine geniale Idee Narayana’s selbst. Die Meldung sollte bei Kommandierenden der Stadt erfolgen. Gerade am fünften Straßenzug angekommen, kicherte es hinter Zahonar verdächtig. Sich umdrehend, gewahrte er eine Abordnung der Stadtbürgers, die interessiert seinem Tun zusah. Zahonar war beglückt. „Seid gegrüßt! Ihr könnt mir helfen. Nehmt diese Aufforderungen und befestigt sie an den Straßenecken.“ Mit diesen Worten lud er dem Truppführer die Hälfte der Aufrufe auf und wandte sich die nächste Straßenecke.

Zahonar drehte sich wieder um. Wie vorher Helveyr hatte nun auch der Truppführer eine andere Farbe angenommen. „Was, Fremder, soll das hier bedeuten? Kennst du nicht Lesete? Alle Metalllegung rüstet sich zu den Waffen melden — und wenn es nicht genügend Freiwillige werden, suchen wir uns noch ein paar.“ Der Truppführer überlegte. „Zu welchen Waffen? Sag mal, hast du was am Helmständer?“, fragte Zahonar mißtrauisch. „Na, habe ich was?“ Der Truppführer wurde immer fassungsloser. „Am Helmständer — Ra-ob-ra-off!“, erklärte Zahonar geduldig. Der Truppführer verstand. „Waaaaacheee!“

Kurze Zeit später stand Zahonar vor dem Stadtkommandanten, der bereits vom Truppführer informiert worden war. Dieser deutete auf einen übergroßen Anschlag: Plakatieren verboten im Stadtgebiet, Betteln und Hausieren unerwünscht, Filzen haften für ihre Kinder. „Hast du das gelesen?“ „Nein.“ „Hast du es jetzt gelesen?“ „Ja.“ „Und was sagst du dazu?“ Zahonar stutzte. „Ist dies nicht mit dem Namenszeichen Narayana’s versehen?“ Der Stadtkommandant nickte. „Gewiß“, Zahonar forschte weiter. „Und nachdem auch die Generalvollmachten von Narayana unterzeichnet ist, folgt daraus, daß ich Beauftragter von Narayana bin und mit Sonderbefehl handele.“ „Hm, ja.“ „Da du mir aber ausdrücklich verboten hast, meinem Befehl nachzugehen, hättest du es selber tun müssen. Hier hast du den Stempel, verziere damit die Straßen.“ Mit diesen Worten übergab Zahonar alles dem Kommandanten. „Waaaaacheee!“

5. Planung, Koordination und Chaos

Narayana saß auf der neuen Bank und starrte ins Leere. „Wir bleibt Zahonar nur? Er ist doch ein tüchtiger Anhänger zu finden, die für Ruhm und Ehre bereit sind, für das Wohl des Landes zu streiten.“ Helveyr grinste vergnügt. „Was hast Du nur, die Tore, die Zahonar hier hinterlassen hat, erregt ihn ausgezeichnet. Vielleicht ist auch die Aufgabe schwierig. In Zeiten wie diesen geht es Landsknechten neben Ruhm und Ehre auch um Goldstückchen und Beute. Wie hätten doch eine Bezahlung Deiner Truppen in Erwägung ziehen sollen.“ „Bist Du übergeschnircht?“ Narayana wurde bleich. „Wenn Du den kleinen Finger gibst, dann gründen sie noch eine Gewerkschaft mit Forderungen nach geregelter Arbeitszeit, Überstundenausgleich und Urlaubsanspruch. Es wird doch Männer geben, die nicht nur ihren Geldsack vergrößern wollen!“ „Wen?“

Es klopfte.

Zahonar betrat den Raum, die Tür sehr vorsichtig öffnend. „Hier bin ich wieder!“ „Prima, wo sind die Truppen?“, freute sich Narayana. „Die Stadthache hat jeden Freiwilligen zur Rekrutierung aufgefordert, manche sogar zweimal. Es ging wirklich nicht schneller. Aber nun habe ich immerhin etwa 10.000 Truppen. Nur die Flotten machen noch kleine Schwierigkeiten, aber wir werden sie auch zum Meer bringen.“ Helveyr stimmte hörbar aus. „Du hast aber keine Schiffe in der Hauptstadt bauen lassen? Die kommen nie aus Meer!“ „Hm, dann machen wir eine Marineschule daraus. Sowas macht sich immer gut, wir fördern damit die geistige Infrastruktur.“ Helveyr blickte auf Zahonar. „Wie was bitte?“ „Geistige Infrastruktur, du Intelligenz, wenn Du das erste nicht verstehst.“ Helveyr schüttelte den Kopf. „Also davon habe ich wirklich noch nichts gehört, geschweige denn mitbekommen.“

Narayana klopfte auf den Tisch. „Ruhe jetzt. Wie geplant setzt ihr beiden 5 Kriegerheere und 10 Reiterheere zusammen, die Heerführer ein und dann geht’s sofort los. Weckt auch den Warger.“

Bereits fünf Tage später wälzte sich der größte und bisher einzige Heerwurm, den die Berge je gesehen hatten, Richtung Norden, Süden, Westen und Osten. Mitten auf einer Ebene hielt Narayana vor einem kleinen Bach an. „Verwirrtekt! Ein kleines Männlein mit Schreibbrett kam angehustet. „Ja Chef?“ „Was ist denn das für ein Jungangston? Schreibe auf: Nach 3 Tagen überschreiten unsere sieggewohnten Truppen die Grenze und beginnen mit Eroberung unbewohnten Gebietes. Alles lacht es: Ich, Narayana, werde den ersten Schritt über die bisherige Grenze machen und das Reich Northeim für immer vergrößern. Es ist ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Schritt für uns alle.“

Narayana griff zu Schild und Schwert und befahl seiner Garde: „Gebt mir Deckung!“ „Hier, mitten auf der Ebene?“ „Der Feind schläft nicht!“ Mit diesen Worten schickte sich Narayana an, die Grenze zu überschreiten. Helveyr tippte ihm auf die Schulter. „Es würde sich empfehlen, die Brücke dort zu benutzen, sonst säufst Du vielleicht ab.“ Narayana überlegte kurz. „Alles unauffällig über die Brücke folgen.“

Am zweiten Tag der Feldzuges wurden die ersten Bauern gesichtet und dem Heer einverleibt. Ein rollendes Hauptquartier wurde gebildet, federführend Narayana. Im Stand als Beraterteam Helveyr und Zahonar zur Seite. Zur Befehlserteilung mehrere Stafettenläufer. Die Aufteilung klappte vorbildlich. Narayana plante, Helveyr dachte und Zahonar versuchte, als einziger wenigstens den Überblick zu behalten.

Ein Heerführer betrat das Hauptquartier und grüßte zackig. „Wo bitte steht mein Heer?“ „Einheit, Bezeichnung“, wetterte Heerführer 203. Zahonar prüfte die Marschtabelle. „Dein Heer ist hier am Sammelplatz.“ „Nicht, dieses Heer heißt jetzt 205. Wo ist 203?“ Zahonar und Narayana grübelten. „Narayana, kann es sein, daß da ein Irrtum vorliegt?“ „Hm, ja. Schicke den Heerführer zu 205 und sage ihm, daß es jetzt wieder 203 ist.“

Ein abgekämpfter Soldat wankte ins Bürozelt. „Melde mich wegen Heeresverlegung.“ Zahonar schaute entgeistert. „Du hast Dein Heer verlegt?“ „Schlimmerer“, schimpfte Helveyr. „Habe kommt Du?“ „Ich war im Westen bei 208, dort wurde mir mitgeteilt, daß 208 im Osten ist. Ich bin sofort aufgebrochen und seit acht Tagen unterwegs.“ Zahonar und Helveyr grübelten. „Kann es sein, daß hier ein System Narayanas vorliegt?“ Narayana trat nachdenklich, er verliert nur ab und an die Übersicht. Schicke den Heerführer wieder in den Westen und sage ihm, sein Heer sei auch bald da.“ Dankbar kroch der Heerführer aus dem Bürozelt.

Der Warger kam kurz herein. „Ist schon was los?“ Narayana winkte ab. „Gut, dann suche ich mir etwas zu trinken.“

„Es fällt euch auf, was mir widerfahren ist. Thur-Orxam ist mir erschienen.“ Mit diesen Worten betrat Narayana die Organisationsecke des Bürozeltes. Helveyr nickte. „Ja, es ist wirklich sehr heiß draußen.“ Narayana ignorierte die Bemerkung. „Er hat sogar zu mir gesprochen.“ Nach dieser letzten Aufrichtigkeit und Übertreibung brachte Narayana auf einem Stuhl nieder. „Unsere kartographischen Errungenschaften sind falsch. Es ist alles viel kleiner!“