Hübbochonder
| Domänen | Heilung |
|---|---|
| Regionen | Theostelos und der Rest der Welt |
| Abbildung | |
| Symbol | |
| Gebote |
„Was nicht geteilt wird, heilt nicht.“ |
| Sonstiges | Hübbopathie, anstatt giftige Substanzen der Heilermonopolisten |
Hübbochonder (mit „ch“ – wie ein guter Hustenanfall) ist ein Gott der Heilung, der Naturmedizin und der heiligen Durchseuchung.
Zentrales Dogma
Die Gläubigen Hübbochonders, die sich selbst die Durchstandenen nennen, lehren, dass Krankheit nicht das Ende der Gesundheit, sondern ihr Ursprung sei. In den kanonischen Schriften heißt es:
„Wir Anhänger Hübbochonders wissen, dass Krankheiten nur durch Gegenkrankheiten geheilt werden können, wie Gifte nur durch Gegengifte gebrochen werden. Darum ist allein ein kranker Leib wahrhaft immun.“
Vorsorge gilt als Ausdruck mangelnden Gottvertrauens. Wer Krankheit meidet, meidet die Prüfung. Wer gesund bleibt, bleibt ungeweiht.
Er ist der Gott der Naturmedizin Erkenfaras, die Auslegung dieser Kunst ist eindeutig:
- Krankheit als natürliches Heilmittel
- Leiden als Werkzeug der Immunisierung
- Durchmachen statt Vorbeugen
Das Alter als Gottesbeweis
In der Theologie Hübbochonders nimmt das Alter einen besonderen Rang ein. Greise und Greisinnen gelten als lebende Beweise göttlicher Wirksamkeit, selbst wenn sie krumm gehen, zittern oder klagen. Die Priester fragen in Predigten:
„Man nennt die Alten schwach und gebrechlich. Doch wer fragt, weshalb sie noch unter uns weilen?“
Und die Gemeinde antwortet:
„Weil sie Krankheiten überlebt haben und nicht gefallen sind. Nur wer krank war, kann viele Winter zählen.“
Gebrechen gelten als Zeichen bestandener Prüfungen. Jeder Schmerz ist eine Erinnerung an überstandene Seuchen, jede Schwäche ein Zeugnis göttlicher Nähe. Ein Mensch, der alt wird, ohne viel gelitten zu haben, steht im Verdacht, sich der heiligen Durchseuchung entzogen zu haben.
Heilige Praktiken und Gottesdienste
Die wichtigsten religiösen Handlungen sind gemeinschaftliche Krankheitsrituale, da Heilung nur durch Weitergabe vollendet wird:
- Masernpartys – Zusammenkünfte zur gezielten Durchseuchung der Jugend
- Gripperituale – kalte Hallen, gemeinsames Frieren, rituelles Niesen
- Hustenchöre – liturgisch strukturierte Hustenanfälle, oft mehrstimmig
Ein zentrales Glaubensbekenntnis lautet: „Was nicht geteilt wird, heilt nicht.“
Alltägliche Frömmigkeit
Der wahre Glaube zeigt sich nicht im Tempel, sondern im täglichen Leben. Ein Verehrer Hübbochonders:
- erscheint fiebernd in der Werkstatt oder Zunft, um seine Brüder und Schwestern zu stärken
- geht röchelnd und hustend auf belebte Straßen und Versammlungen, reist in engen Kutschen und Schiffen, denn Nähe ist göttlich
- nimmt mit Magen-Darmseuche an Gemeinschaftsmahlen in Schenken oder Markthallen teil, auf dass niemand unberührt bleibe
Absonderung im Krankheitsfall gilt als Zeichen des Zweifels. Schonung als Schwäche. Alleinsein als Misstrauen gegenüber dem Glauben.
Wesen und Erscheinung des Gottes
Hübbochonder wird als schwerfällige, bleiche Gestalt dargestellt, in dicke Gewänder gehüllt, aus denen warmer Atem aufsteigt. Sein Husten ist Teil seiner Gegenwart: ein tiefes, feuchtes Rasseln, das als göttlicher Gruß gilt.
Hübbopathie
Die Hübbopathie gilt als besonders reine, nebenwirkungsfreie und vor allem praktisch nebenwirkungslose Form der Heilkunst. Sie entstand aus der frommen Erkenntnis, dass echte Heilmittel aus Pflanzen und Mineralien zwar gegen Symptome wirken, dabei jedoch Gifte enthalten. Noch bedenklicher ist Heilmagie, deren gefährliche Strahlung nach Ansicht hübbopathischer Tempelgelehrter lebenslange Nebenwirkungen hat.
Aus diesem Grunde lehnt die Hübbopathie jede unmittelbare Berührung des Patienten mit giftigen Substanzen, wirksamen Pflanzen, mineralischen Arzneien oder Heilspruchrollen entschieden ab. Stattdessen werden aromatische, stark alkoholhaltige Flüssigkeiten in kleinen Phiolen in eigens geweihten und mehrfach gesicherten Räumen tief im Fundament der Tempel aufgestellt. Dort ruhen sie in respektvollem Abstand neben echter Medizin oder gefährlichen Heilschriften, ohne mit diesen in ungebührlichen Kontakt zu geraten. Die Gläubigen sprechen hierbei von einer „sanften Übertragung“.
Die Wirksamkeit der hübbopathischen Flüssigkeit beruht nach offizieller Lehre nicht auf Stoffen, Kräften oder sonstigen groben Dingen, die sich nachweisen ließen, sondern auf den kosmischen Kräften Hübbochonders. Diese nehmen die Heilwirkung der benachbarten Arznei wahr, prüfen sie wohlwollend, verwerfen ihre schädlichen Bestandteile und übertragen ausschließlich den guten, Teil auf die Flüssigkeit. Dabei gilt: Je weiter die Phiole von der tatsächlichen Medizin entfernt steht, desto höher ist ihre Potenz. Eine Phiole im selben Raum gilt als grob und fast schon materialistisch; eine Phiole drei Kellergewölbe weiter unten wird bereits als ehrfürchtig betrachtet; und ein Fläschchen, das nie auch nur in die Nähe eines Heilmittels gelangt ist, kann unter günstigen Umständen als nahezu vollkommen gelten.
Der Patient erhält schließlich eine kleine Gabe der hübbopathischen Flüssigkeit, meist in Form weniger Tropfen auf die Zunge oder, bei wohlhabenden Kranken, als ganze Flasche zum meditativen Eigengebrauch. Da die Flüssigkeit weder Gift noch Heilmagie noch nennenswerte Heilwirkung enthält, gilt sie als außerordentlich sicher. Nebenwirkungen sind selten, abgesehen von Wärmegefühl, leichtem Schwanken, gesteigerter Frömmigkeit und der Neigung, die Behandlung nach Sonnenuntergang zu wiederholen. Tempelärzte betonen, dass die Methode gerade deshalb so mächtig sei, weil sie den Körper nicht überfordere. Schließlich könne eine zu rasche Genesung das natürliche Gleichgewicht zwischen Krankheit, Demut und Tempelspende empfindlich stören.
Kritiker werfen der Hübbopathie vor, sie bestehe im Wesentlichen aus geweihtem Schnaps, räumlicher Entfernung und entschlossener Behauptung. Die Priesterschaft weist diesen Vorwurf entschieden zurück: Schnaps allein, so heißt es, sei selbstverständlich keine Medizin. Erst wenn er tief unter dem Tempel, hinter drei Türen, neben einem verschlossenen Arzneischrank und unter dem feuchten Segen Hübbochonders gestanden habe, entfalte er seine volle, entfernte Kraft.
Die Götter des Kreises
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